Gold steigt über 4.200 US-Dollar: Vertrauensverlust, Zentralbankkäufe und globale Unsicherheit treiben die Rally – Silber könnte folgen.
Der Goldpreis hat erneut die Marke von 4.200 US-Dollar je Unze überschritten und damit ein starkes Signal an die Finanzmärkte gesendet. Nach Einschätzung von Michele Schneider, Chef-Marktstrategin bei MarketGauge, spiegelt die Rally nicht nur veränderte Inflationserwartungen oder geldpolitische Entwicklungen wider. Vielmehr zeige sie, dass Investoren zunehmend daran zweifeln, ob Regierungen und Zentralbanken die Weltwirtschaft dauerhaft stabilisieren können.
Gold legte am Mittwoch zeitweise um rund vier Prozent zu und stieg in der Spitze über 4.300 US-Dollar. Anschließend gab der Preis einen Teil seiner Gewinne wieder ab, hielt sich jedoch stabil oberhalb der neuen Unterstützungszone. Schneider erklärte, der Ausbruch sei grundsätzlich erwartet worden, da sich Gold in den vergangenen zwei Monaten rund um die Marke von 4.000 US-Dollar konsolidiert hatte.
Die fundamentalen Faktoren hätten sich kaum verändert. Zentralbanken kaufen weiterhin große Mengen Gold, darunter insbesondere China. Auch Südkorea soll zuletzt seine Bestände ausgeweitet haben. Gleichzeitig steigen die weltweiten Staatsschulden weiter an. Diese Entwicklung erhöht langfristig die Attraktivität von Sachwerten und Anlagen, die nicht direkt vom Vertrauen in einzelne Regierungen oder Währungen abhängig sind.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt Gold durch die Entscheidung der US-Notenbank, die Zinsen unverändert zu lassen. Dies belastete den US-Dollar. Als eigentlicher Auslöser des starken Ausbruchs gilt laut Schneider jedoch eine Intervention am japanischen Devisenmarkt. Berichte über Maßnahmen zur Stützung des Yen verstärkten die Sorgen, dass Regierungen zunehmend direkt in die Finanzmärkte eingreifen müssen.
Genau dieser Vertrauensverlust könnte für Gold wichtiger werden als klassische Faktoren wie Zinsen oder reale Renditen. Sobald Anleger den Eindruck gewinnen, dass politische Entscheidungsträger die Kontrolle verlieren, suchen sie traditionell Schutz in Gold.
Auch Silber könnte zunehmend interessant werden. Schneider beobachtet dabei insbesondere das Gold-Silber-Verhältnis. Sollte dieses unter 69 fallen und Silber seine 50-Tage-Linie zurückerobern, könnte das auf steigenden Inflationsdruck hindeuten. Ein Ausbruch über etwa 64 US-Dollar könnte den Weg in Richtung 75 bis 80 US-Dollar öffnen.
Die jüngste Goldrally zeigt somit vor allem eines: Unsicherheit und sinkendes Vertrauen in Institutionen werden zu immer wichtigeren Treibern an den Edelmetallmärkten.